From whartter@hartter.de Mon Sep 13 11:30:03 1999
From: "Wolfgang Hartter" <whartter@hartter.de>
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Subject: Tipps fuer Kurztrips: Ein Tag in Wangen im Allgaeu
Date: Sun, 12 Sep 1999 14:57:19 +0200
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Am Samschdig, 11.9. ischd em Kaesblaeddle (Suedweschdbresse) in dr
Suedwestumschau dr ledschde Doil vo ra "Sommerferien-Serie" komma. Dea
Ardiggl schreibe uich amol schnell ab - endschuldigad d Tibbfehler;
vermuadlich send's aber weniger als em Original-Ardiggle en dr
eidung  - grausig, was dia manchmol zemmatibbad.

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 "Nicht nur der Käse lockt" - Sehenswerte Altstadt mit Museen und vielen
Brunnen
Raimund Weible

"In Wangen bleibt man hangen" reimen die Allgäuer. Es muss ja nicht fürs
ganze Leben sein. Einen Tag sollte man aber kleben bleiben, um die Reize
dieser Stadt im württembergschen Allgäu kennenzulernen. Die Besonderheit
der größten der drei Städte im "Käse-Dreieck": Die vielen Brunnen.
Drumherum Weiden mit Allgäuer Milchkühen, drinnen ein Stadtbild von
einladender Freundlichkeit. "Die bauliche Substanz einer ehemaligen
Reichsstadt kleiner Größenordnung" sieht der Tübinger Denkmalpfleger
Hubert Krins gerade in Wangen "in unverdorbener Reinheit erhalten". Kein
Wunder, dass die Altstadt als Ganzes unter Denkmalschutz steht.
Eine fotogene Stadt. Beesonders die beiden prächtigen Tortürme haben es
den Einheimischen wie den Gästen angetan. Wer durch das Martinstor geht,
gelangt in Paradies. So heißt die Straße, die vom Tor in die Stadt
führt. Ein passender Name, denn kaum ist man durchs Tor gegangen, steht
man vor einem gastlichen Paradies, dem weitgerühmten "Fidelisbäck". So
mancher Stadtbesucher beginnt seinen Spaziergang durch Wangen mit einer
Einkehr in diesem Wirtshaus. Doch so wie nicht jeder einen Platz im
Paradies bekomt, erhält auch nicht immer jeder einen Platz im Lokal. So
mancher ist schon angestanden, um endlich seinen warmen Leberkäs' samt
Seele verzehren zu können - in meist lustiger Runde, denn zum Leberkäs'
gehört ein Bier, und Bier macht lustig. Man habe dort noch kein böses
Gesicht gesehen, behaupten die Touristenwerber.
Zum vielleicht noch schöneren Tor kommt man über die breite
Herrenstraße. Das Frauentor, auch Ravensburger Tor genannt, ist üppig
bemalt und von vier zierlichen Ecktürmchen gekrönt. Von diesem
Renaissancebau aus mag man einen Brunnenrundgang beginnen, der sehr
abwechsulngsreich ist, denn Wangen verfügt über eine große Zahl
stilistisch unterschiedlicher Wasserspiele.
Allein in der Herrenstraße stehen drei Säulenbrunnen. Der Brunnen mit
der Mariensäule zählt zu den klassischen Beispielen. Durch einen
Engelskopf ergiesst sich das Nass in den Trog aus rotem Sandstein. An
die reichststädtische Geschichte erinnert der Adlerbrunnen. Ebenfalls
von einer Säule geziert wird der St. Martinsbrunnen.
Als in den 80-er Jahren damit begonnen wurde, die Stadt durchgehend zu
sanieren, kamen neue Brunnen hinzu. So der Amtsschimmel-Brunnen vor der
Landrastamt-Außenstelle in der Lindauer Straße. Das Kunstwerk stammt vom
Aachener Bildhauer Bonifatius Stirnberg: Auf einem Aktenstapel schwebt
ein Pferd, das einen Wasserstrahl auf Figuren ergießt.
An der Stadtmauer am Argenufer steht eine Brunnenplastik, auf der die
Künsterlin Gisela Steimle eine eher lustige Szene darstellt: Ein Mann
bekommt von einer resoluten Frau den Kopf gewaschen. Der
Kopfwäscher-Brunnen erinnert an die Badstuben in der alten Reichsstadt.
Doch auf den wohl sinnigsten und komischsten Brunnen stößt der Besucher
am Übergang zwischen Ober- und Unterstadt. Dort hat die Oberschwäbische
Elektrizitätsgesellschaft dem "verdruckten" Allgäuer ein Denkmal
gesetzt. "Verdruckte" Leute sind nach dem Allgäuer Verständnis
zurückhaltende, aber schlitzohrige Leut', und der Künstler Joseph
Michael Neustifter hat den doppelten Sinn des Begriffs umgesetzt, indem
er sieben Wangener übereinander geschichtet hat.
Von den Brunnen ins Museum: Die Stadt hat es den Gästen leich tgemacht,
die wichtigsten Museen sind in einem Komplex zwischen der Eselsmühle und
dem Pulverturm zu finden. Im Käsereimuseum ist die Geschichte der
Allgäuer Marktwirtschaft dokumentiert, in zwei Literaturmuseen das Werk
Eichendorffs und Freytags, im Badstubenmuseum die Hygienekultur.
Von Wangen aus leicht zu erreichen: das Schloss Achberg, in dem bis 26.
September Werke oberschwäbischer Maler zu sehen sind. Lohnend nicht nur
im Winter: eine Wanderung durch den Eistobel bei Maierhöfen in der
bayerischen Nachbarschaft.
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Heidanei, ischd dees viel zom Schreiba...

An scheena Gruass vo Messinga
Wolfgang Hartter

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S Schaffa g'haird abgschaffd, dass ma endlich Zeid hod fir a
aaschdendigs G'schaefd!
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